Michael in Island und Nepal

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Nepal 2004
Annapurna-Runde

Michael Steger
Martin Reichherzer

Februar/März 2004

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1
Vorwort

Dieses Tagebuch entstand während meiner vierwöchigen Nepalreise im Februar/März1 2004. Wir waren zu zweit unterwegs und sind die Annapurna-Runde gegangen. Wir hatten keinen Guide oder Träger. Ein Träger ist sicher eine bequeme Sache, aber einen Guide alleine braucht man meiner Meinung nach nicht. Man findet sich leicht zurecht, der Weg ist nicht zu verfehlen und die Leute unterwegs sprechen sehr oft Englisch, so dass einem immer geholfen wird.

Wir haben 18 Tage für die Annapurna-Runde benötigt. Das war ziemlich streßlos. Man kann es, wie ich gerade von einem Freund per E-Mail aus Nepal erfahren habe aber auch in 13 Tagen schaffen. Auf jeden Fall sollte man nach hinten ein bisschen Luft einkalkulieren, da sich bei der derzeitigen politischen Situation die Busfahrt nach Kathmandu streikbedingt2 verzögern kann.

Ich möchte darauf hinweisen, dass einige meiner Bemerkungen möglicherweise nicht ganz korrekt sind. Dies ist aber nicht durch eine Abneigung gegenüber dem nepalesischen Volk bedingt. Vielmehr spiegeln manche Formulierungen meine Verunsicherung durch die Armut, die man einfach überall sieht wieder. Auch kommt vielleicht der ein oder andere Straßenverkäufer zu schelcht weg, weil er besonders nervig war. Ich fand es auf jeden Fall immer wieder absurd, dass man als Tourist mit einer Trekkingausrüstung unterwegs ist, mit deren Wert man sicherlich mehrere Familien über Jahre hinweg ernähren könnte. Als ob bei uns einer mit Goldbarren unterm Arm durch die Straßen läuft...

Ich betone nochmals, dass ich (bis auf eine Ausnahme) keine schlechten Erfahrungen mit den Einheimischen gemacht habe. Die Leute sind, soweit es Sprachbarrieren erlauben, sehr hilfsbereit und freundlich.

Außerdem bitte ich, den ein oder anderen unvollständigen Satz zu entschuldigen. Ich glaube, mir steht eine Karriere als großer Wissenschaftler bevor... :-)

Kapitel 2
Kathmandu

2.1 1. Tag, 17. Feb 2004

Mein Vater brachte Martin und mich nach München. Unser Flug war der einzige und letzte im ganzen Terminal - dementsprechend viel ist am Flughafen los. Während des Nachtflugs von München nach Qatar gab es gutes Essen, der Sitzabstand war großzügig und das Flugzeug nur halb besetzt - wir konnten uns breit machen! In Qatar3 dann ein kleiner aber äusserst betriebsamer Flughafen. Uns grauste es schon jetzt vor dem 14-stündigen Aufenthalt hier während des Rückfluges.

Während des Weiterflugs sahen wir das Himalaya leider nur in Wolken gehüllt. Man kann aber erahnen, dass die Berge wirklich groß sind. In Kathmandu ist unseres das einzige Flugzeug. Im uralt-Terminal empfingen uns dann Mickeymouseuniformierte und Jogginganzug-„Grenzschützer“. Sehr vertrauenserweckend! Achtung: das Handgepäck wird hier auch bei der Ankunft mit Steinzeitgeräten geröntgt. Am Gepäckband kommen sogar die Postsäcke vorbei! Schon vom Flugzeug aus konnte man erkennen, dass offensichtlich Streik ist. Die Straßen sind voller Menschen und Fahrräder aber keine Autos unterwegs. Es fahren nur Taxis zum Streiktarif mit der Aufschrift „tourists onely“. Wir werden direkt zu einem Hotel mit „hot shower“ gefahren. Kurz vor Ankunft hatte das Taxi einen Platten und ist ohne Luft die letzten 100 m weiter gerumpelt! Da wir keine Lust hatten noch groß was anderes zu suchen sind wir da gleich geblieben. Das Zimmer ist mit Balkon, kalter Dusche und unter uns ist der „Weizen Garden“.

Die Nepalis sind ein bisschen aufdringlich, lassen sich aber leicht abschütteln, wenn man gerade nichts kaufen möchte. Sie zupfen nicht am Ärmel! Wir sind auch noch zu einer Trekkingagentur geschleift worden. Die wollten 20 US $ pro Tag und Person für einen Guide und Verpflegung! (soviel haben wir nicht mal zu zweit benötigt4!). Im Internet waren wir natürlich auch gleich noch. Highlight war die SB-Apotheke im Supermarkt. Martin hat sich später noch (unabsichtlich) einen roten Punkt auf die Stirn klecksen lassen. Hasch bekommt man auf der Strasse übrigens besonders vertraulich („hello my friend...“) angeboten.

2.2 2. Tag

Wir schliefen erst mal aus und gingen dann in den Weizen Garden mit German Bakery zum Frühstücken. Das ist zwar nicht alles deutsch, was die hier verkaufen aber es schmeckt echt gut. Das ACAP-Office5 hat dummerweise heute und morgen geschlossen (Shivaratri und Democracy-Day). Ein Nepali beschwätzte uns und meinte, wir sollen doch ohne Permit gehen, da die Maoisten dort alles unter Kontrolle hätten und niemand das Permit sehen wolle (das war definitiv nicht so!). Wir gingen dann durch die Stadt zum Durbar Square. Heute ist alles voller Autos und Motorräder, es stinkt und staubt. Die Tempel stammen wohl aus besseren Zeiten und sind mit sehr schön gearbeitete Schnitzereien verziert. Leider ist alles ein bisschen runtergekommen - dazu tragen wohl die vielen Tauben mit bei. In die Tempel darf man als nicht-Hindu nur durch die Türe reinschauen. Wegen dem Feiertag war ziemlich was los und vor den Tempeln standen lange Schlangen. Eine öffentliche Speisung gab es auch.

Am Rückweg holten wir in der Bäckerei Brot und Apfelstrudel. Wir beschlossen, dass wir ohne Permit nach Besi Sahar fahren werden und dort notfalls das doppelte (= 4000 Rs.6 ) bezahlen. (Erst später haben wir erfahren, dass auch ein 11-Uhr Bus nach Besi Sahar fährt, so dass man das Permit auch noch in der Früh vor der Busfahrt kaufen kann.) Die Bustickets erstanden wir im Hotel. Das kostet zwar mehr (300 statt 170 Rs.), ist aber auch bequemer.

Die nachgemachte TNF, Mountain Hardware oder Patagonia-Kleidung ist - zumindest wenn man das original kennt - grottenschlecht. Schnitte, Materialien und zum Teil auch die Farben sind unmöglich. Aber es gibt ja auch einen original TNF-Laden. Hier kostet das Zeug so etwa ein drittel vom deutschen Preis.

Von einem Rickscha-Fahrer haben wir uns sauber übers Ohr hauen lassen und zahlen 250 Rs. um zum Pashupatinath-Tempel zu gelangen (hatte noch nie mehr Angst auf einem Fahrrad!). Am Tempel ist wegen dem Shivaratri-Fest mächtig was los. Die Polizei übt sich im Massen-Missmanagement. Nach langem Suchen finden wir einen „Hintereingang“, an dem wir ohne Anstehen durch den Zaun schlüpfen konnten. Im riesigen Tempelgelände kokelts überall. Zum Teil bekommt man kaum noch Luft.

Auf Scheiterhaufen werden am Flussufer die Toten verbrannt. Das stinkt wie bei uns in Mering der Abdecker. In einem Teil sitzen lauter Mönche und Andere am Boden, eingehüllt in dicken Qualm. Manche kochen, alle rauchen. Die haben immer Zigaretten zerbröselt und dann andere Sachen dazugemischt?? Die Polizei steht daneben. (Marihuana ist tatsächlich während des Shivaratri-Festes legal.)

Nach einer Weile reichte es uns vom Gestank und den vielen Menschen und wir wollten wieder durch den Hintereingang raus. Da waren aber inzwischen Soldaten, die die Straße abriegelten, weil der König noch vorbeischauen wollte. Der ist an allem Schuld, der König! (Nicht nur an der Misere des Landes - auch an meinen Finanznöten!) Also gings’s zurück durch den Tempel. Dort Trafen wir zwei Schnepfen, die uns schief angeschaut haben und dann meinten „Ihr wollt sicher noch in die Berge!?“. Ach nee...

Vorbei am Badefluss, der unglaublich stinkt und voller Müll ist geht es entlang der Latrinentempelmauer zum Haupteingang. Auch hier ist alles abgesperrt. Viel Gedränge, wir übten uns im Gegenstromschwimmen (Jaja, große Menschenansammlungen vermeiden...). Glücklicherweise sind die Nepalis alle einen Kopf kleiner! Kurz bevor wir draußen waren „verlier“ ich dann meinen Geldbeutel. Ich hätte es ja nicht gedacht - hatte einen echt guten Eindruck was die persönliche Sicherheit anbelangt (der hat sich dann im Rest des Urlaubs auch bestätigt). Bin also 60 US $, 10000 Rs., EC, Visa und Personalausweis losgeworden. Ärgerlicherweise hat die eifrige Bank auch gleich die PIN zur Mastercard gesperrt, so dass ich kein Geld mehr abheben konnte (Martin mein Retter!). Als ich meinem Vater eine E-Mail schrieb, dass er doch noch meinen Personalausweis und die EC-Karte als gestohlen meldet las ich, dass ich in Quantenmechanik 60 von 27 benötigten Punkten habe. Der Tag ist gerettet! Abendessen auf der Dachterasse im 7. Stock. Die Stadt ist von oben total dunkel.

Morgen fährt um 8 Uhr der Bus nach Besi Sahar. Ach ja, Martin hat irgendwas kratzendes im Auge...

2.3 3. Tag

Immer noch in Kathmandu! Martins Auge ist nicht besser geworden. Schlafen noch ein bisschen und ließen uns in der Lobby einen Doktor empfehlen. Ein Typ vom Hotel brachte uns zur „Praxis“. Ein „Professor“ von irgend einem Krankenhaus sah sich Martins Auge mit einer batterieschwachen Stirnlampe an. Seine Diagnose: „foreign body“ - deshalb sind wir gekommen. Er benötigte einen Experten. Dazu telefonierte er lange und führte uns dann zur Clinic eines weiteren „Professors“. Es gibt ein ein uraltes Augenmikroskop, eine praktisch leere Taschenlampe und ein paar Vorlesebuchstaben, die man spiegelverkehrt ablesen muss. Unterm Mikroskop wurde Martin „operiert“, innerhalb eines Tages solls dann wieder schmerzfrei sein. Zur Vorbeugung einer Infektion gab es Antibiotikum in Tropfen-, Salben- und Tablettenform. Das kauften wir dann alles in einer richtigen Apotheke für etwa 2 . Der Apotheker hatte auch dem ersten „Professor“ die Augenklinik empfohlen. Wir sind dann erst mal ins Hotel zurück, da das Auge immer noch stark tränte.

Martin wollte nicht raus in den Staub also ging ich alleine zur Swayambhunath-Stupa. Auf dem Weg nutze ich keine der zahlreichen Gelegenheiten, Hasch oder einen Guide zu erstehen. überall liegt viel Müll herum. Schade dass die Leute alles auf die Straße werfen - aber das war ja bei uns im Mittelalter auch so (nur dass es da keine Plastiktüten gab). Neben einer Brücke wurde in einem kleinen Tempel ein Leichnam verbrannt. Die Stupa ist richtig schön. Affen, Ziegen und Hunde laufen frei herum. In Schalen wird vermutlich Öl verbrannt, es stinkt auf jeden Fall ziemlich. Aber diese ganzen Feuer geben irgendwie auch eine tolle Stimmung ab. Es fand irgendeine Zeremonie statt, natürlich auch mit großem Feuer. Hier erfuhr ich auch, wie die Armut zur Völkerverständigung beiträgt. Bettler und alle die etwas verkaufen wollen können ein paar Brocken Englisch. (Ich habe mir sagen lassen, dass die Bettler zum Großteil aus Indien extra zum betteln nach Nepal kommen, worüber die Nepalis gar nicht so begeistert wären.) Von hier oben hat man einen ganz guten Blick auf das Kathmandu-Tal. Leider sah man nie in die Berge, es war immer trüb.

Die ganzen Motorräder hier sind gar nicht so schlecht. Fast ausschließlich 125er Viertakter mit riesigen Sturzbügeln.

2.4 4. Tag, Besi Sahar

Busbahnhof! Alles ist voller Busse, alle sehen gleich aus. Man kann sie nur am Nummernschild unterscheiden und die Nummer ist dann auch die Busnummer. Nur unser Bus war nirgends. Wir haben ein paar Leute gefragt, die meinten alle, dass wir einfach warten sollen da der Bus erst später kommen wird. Nach einer Weile war er dann auch da. Wir verzurrten unsere Rucksäcke selbst am Dach und hofften, dass sie nicht geklaut werden. Kathmandus Ringstrasse ist katastrophal. Viel Verkehr und Gestank, ich bekam Kopfweh. Am breiten Strassenrand kokeln Müllfeuer, die Menschen wärmen sich daran (nachts ist es tatsächlich kalt). Alles liegt voll Schrott. Die Armut ist absolut sichtbar - irgendwie kein angenehmes Gefühl.

Je weiter wir von Kathmandu wegkamen, desto besser sah alles wieder aus. Nach einer Passüberquerung machte der Bus nach etwa zwei Stunden Fahrt Pause. Das GPS zeigte uns, dass wir inzwischen ganze 17 km zurückgelegt haben. Während der Weiterfahrt kotzte der erste Passagier. Der Kassierer hält zum Glück Tüten bereit. In Mugling dann Mittagspause. Ab Dumre wurde die Busfahrt zum Abenteuer und wir verstanden, warum wir unsere Rucksäcke nicht mit innen rein nehmen durften. Es wurde brechend voll und jeder Quadratzentimeter Platz wurde benötigt. Unterwegs zahlte der Busbegleiter immer wieder an Schranken Schmiere und einmal mussten alle (bis auf Touristen) an einem Militärposten aussteigen. Einige blieben doch sitzen und ein Soldat kam rein und wühlte in deren Gepäck. Immer wieder feilschten die Leute mit dem Kassierer um ein paar Rupien. Die Landschaft ist sehr bergig, geprägt durch Palmen, Rodung und Erosion. Vor den Hütten stapelt Feuerholz.

Nach fast acht Stunden Fahrt kamen wir endlich in Besi Sahar an. Auch unsere Rucksäcke waren noch dabei! Laden direkt vor dem ACAP-Büro ab. Dem Typen da drinnen war unsere Ausrede mit den Feiertagen so ziemlich egal, er bestand auf dem doppelten Permitpreis. Dann überboten sich vier Schlepper mit den Qualitäten ihrer Hotels. Wir haben uns riesig amüsiert. Irgendwann mussten sie dann selbst alle lachen! Haben zuerst in ein Hotel reingeschaut und wollten auch bleiben aber dann kam kein Wasser in der Dusche. Sind dann zu einem der letzten Hotels im Ort (und hatten hier die schlechtesten Matratzen des ganzen Urlaubs, falls man die Teile überhaupt so bezeichnen kann).

Wir liefen noch ein bisschen durchs Dorf, kauften ein paar Bananen und haben dann im Hotel gegessen. Es gab Dal Bhat, die Nationalspeise bestehend aus Reis, Gemüse, Kartoffeln, Pickle (scharfes eingelegtes Gemüse) und Linsensuppe. Von allem gibt es Nachschlag. In der Luxusvariante kommt noch Fleisch dazu. Es schmeckt eigentlich nicht schlecht, aber jeden Tag - ich weiß ja nicht...

Ein junger Nepali fragte uns über alles mögliche aus und war enttäuscht, dass wir keine Cricket-Fans sind. Er sprach einen saumäßigen Slang und war schwer zu verstehen. Seine ganzen Kumpels, alle so um die 20 Jahre alt (sehen aber aus wie 14), waren alle hier im Hotel. Morgen soll im Ort ein großes Fußballturnier sein. Zusammen saßen sie vor der Glotze, es kam Tom & Jerry, Cricket und nepalesische Heimatfilme (die sind besonders schlecht). Sie waren von allem begeistert.

Wir filterten das erste mal mit unserem Wasserfilter Wasser. Martin stellte sich richtig doof an und verpritschelte alles. Wir haben beide in Kathmandu richtige Rotznasen bekommen. Hoffentlich bessert sich das jetzt beim Wandern.

Kapitel 3
Annapurna Runde

3.1 5. Tag, Bahundana

Wir warteten eine Dreiviertelstunde auf unser Frühstück. Das schmeckte dann dafür auch. Der Weg geht erst entlang einer Sand/Lehm/Schotterpiste bis Bhulbhule. In Khudi geht es über eine sehr wackelige Hängebrücke mit lauter losen Holzplanken. Uns fiel auf, wie schwer so ein blöder Rucksack ist. In Bhulbhule geht es auf einer soliden Hängebrücke über den Marsyandi River. Ab hier gibt es nur noch Fußweg. Der ist zum Teil mit Platten gelegt oder es sind (viel zu kurze) Stufen gebaut. Meistens ist der Weg aber sehr staubig.

Es ist richtig was los, die Einheimischen gehen wohl von einem zum anderen Dorf. Ständig kamen uns leere Mulis entgegen (die könnten doch die vielen Plastikflaschen und -tüten wieder raustragen!). Auch zahlreiche Träger begegneten uns zum Teil abenteuerlich beladen. Die Vegetation besteht noch aus Bananenpalmen und Bambus. Auf den Feldern wurde mit Wasserbüffeln gepflügt. Auf den unendlichen Terassen sicherlich besonders mühsam. Die Laute, mit denen Mulis und Büffel dirigiert werden muten sehr seltsam an. Ich kann sie nicht in Buchstaben fassen! Manche Dörfer sind sehr sauber, der Weg ist mit Platten gelegt und darunter läuft der Kanal. Andere dagegen sind sehr schäbig. Die Lehm-Stroh-Hütten sind ziemlich windig gebaut, dazwischen gibt es aber auch wenige Steinhäuser.

In der Ferne verschwand der Manaslu im Dunst. Leider zog es schon vormittags zu, so dass wir keine Gipfel sehen konnten. Trotzdem erkannte man aber schon, dass die Berge mehrere Nummern gröser sind als bei uns. Irgendwie so wie Z-Spur zur Lehmann-Eisenbahn. Unterwegs grüßten wir die Leute immer mit einem freundlichen „Namaste!“. Wenn man mal in einem Dorf stehenbleibt sagen sie gleich, wo der Weg weitergeht. Gegen Ende zieht der Weg nochmal richtig an. Ich war direkt am Abkacken. Meine leichte Erkältung war wohl jetzt eine starke, ich bekam durch die Nase keine Luft mehr und fühle mich ein bisschen taub. Wir kamen uns immer wieder blöde vor, haben wir doch einige Ausrüstungsgegenstände, die einzeln eine Familie ein Jahr lang ernähren könnten (ca. 210 US $ Durchschnittseinkommen). Und dann filtern wir auch noch das Wasser, das die Einheimischen trinken...

Martin wollte zum höchsten Hotel in Bahundana. Hier war schon ein Holländer und später kamen noch so komische Deutsche. Ich genoss gleich die erste warme Dusche Nepals und legte mich ins Bett. Nach dem Nickerchen gabs Abendessen - Dal Bhat. In der Nacht habe ich angeblich den ganzen nepalesischen Bergwald zersägt.

3.2 6. Tag, Chamje

Angeblich sollte es heute kürzer als gestern werden. Wir brauchten aber fast genau so lange. Der Weg geht ständig bergauf, bergab, oft über schlechte Stufen. Kurz nach dem loslaufen hatte ich Nasenbluten. Nachdem man in der Früh mal einen hohen Berg erspähen konnte ist es ganz schnell wieder trüb geworden. Auf der Sonnenseite des Tales war es deutlich wärmer und schwül. Die Schlucht wird richtig eng, immer wieder gibt es große Wasserfälle. An einem steht unten ein mini E-Werk. Die Vegetation ist so richtig dschungelmäßig (zumindest stell ich mir das so vor). Angeblich wächst hier auch Marihuana, wir sahen aber (mangels Erfahrung) keines. Dann kam mal ein Abschnitt, der ziemlich verwüstet aussieht. Ich glaube nicht, dass da jemals noch was wächst. Es sind inzwischen deutlich weniger Einheimische auf dem Weg unterwegs. Auch Touristen sieht man mehr oder weniger keine.

Uns begegneten ein paar Träger mit Hühnerstall am Buckel (natürlich inclusive Hühner!). Gegen 3 Uhr kamen wir in Chamje an. Ich war ziemlich erschöpft und hatte die Nase immer noch zu. Dummerweise ging dann auch noch bei mir die warme Dusche kaputt. Irgendwie hab ich es geschafft, unabsichtlich den Wasserhahn zu zerlegen. Zu allem Überfluss haben wir auch noch ein paar Klamotten gewaschen. An der Lodge wurde gerade angebaut und wir konnten den nepalesischen Stahlbeton mal genauer betrachten. Das so viel Kies überhaupt zusammenhält ist ein Wunder! Der Hüttenchef machte Druck mit Essenbestellen. Die müssen sich halt immer drauf einrichten, was die Leute so wollen. Sicher nicht einfach, für mehrere Leute mit minimalistischer Küchenausstattung zu kochen. Es gibt meistens zwei Kochstellen am Holzofen, manchmal fließend Wasser und selten ausreichend Licht. Das Essen wird dafür immer frisch zubereitet. Die Speisekarten sind recht international: von Swiss Rosti über Pizza, Lasagne, Nudeln, Musaka, Buritos zu Chwomein, Momos, Frühlingsrollen, Reis und Dal Bhat. Wir testeten heute die Momos und Fried Rice. Nach einem grottenschlechten Scrabble-Spiel haben wir dann gut gespeist. Es war auch noch ein englisches Pärchen da. Alle anderen hier sind mit Guide und/oder Träger unterwegs. Die Engländer haben abartig große Rucksäcke (und einen Träger).

3.3 7. Tag, Bagarchap

Schönes Wetter, aber es sind keine hohen Berge sichtbar. Der Weg geht durch eine enge Schlucht. Der GPS-Empfang ist hier fast unmöglich. Ich habe es schon aufgegeben, den gesamten Weg aufzuzeichnen. Eine Hängebrücke war kaputt, die hat wohl der Wind zerfetzt. Wir mussten umkehren und über eine provisorische Holzbrücke laufen. Die steht zum Teil unterhalb der Hochwassermarke des Marsyandi Rivers, der hier ziemlich übel aussieht. Die Hochwassermarke liegt gut zwei bis drei Meter über dem jetzigen Niveau. Die Arbeiter, die gerade wieder die Tragseile der Hängebrücke zusammenflechteten sollten sich also beeilen. Ende April kommt der Monsun.

Der Weg geht jetzt steil nach oben. Wiedermal sah es sehr nach Raubbau am Bergwald aus. Dann ist der Weg aufwendig in den Fels einer Steilwand geschlagen. Die Berge um uns herum gehen inzwischen an die 4000 Meter. Kurz darauf geht es nochmals steil nach oben. Der Fluss verschwindet hier zwischen den Steinen. Am Ende stehen wir in der Ebene von Tal. Hier fließt der Marsyandi ganz zahm dahin. Das Dorf ist richtig schön hergerichtet. Ab hier beginnt wohl der tibetische Kultureinfluss. Solide Steinhäuser lösen die Strohhütten endgültig ab. Die verwendeten Steine sind rechteckig zugeschlagen und Mörtel hält sie zusammen.

Wir wechselten noch dreimal das Flußufer. Auch die Vegetation änderte sich allmählich. Nadelhölzer lösten die Laubbäume ab. Der Weg ist hier zum Teil richtig schlecht. Die armen Mulis, die hier hoch müssen. In Dharapani lief ich erst mal am ACAP-Checkpost vorbei, wurde aber zurückgepfiffen. Schon in Tal mussten wir uns ins „dicke Buch“7 eintragen. Da haben wir festgestellt, dass wir nicht die schnellsten sind. Einige die wir unterwegs getroffen haben sind wohl am ersten Tag ein ganzes Stück weitergelaufen (bis Syange). Aber da hätte ich nicht mehr weiter gekonnt. Außerdem bresierts uns ja nicht - wer will denn schon Hektik machen?

Eine Kurve oder 400 Meter vor Bagarchap hatte Martin zum ersten mal Durchfall. In Bagarchap beschlossen wir, nicht in das Hotel zu gehen, wo schon Engländer und Holländer sitzen, sondern das Geld gerechter zu verteilen. Sind dann ins Marsyandi River Hotel gegangen. Die Chefin konnte a bisserl Englisch und sprach ohne Pausen. Das machte die Verständigung nicht leicht aber wir kommen ganz gut klar. Wenn sie Nepali spricht dann hört sich das „wie Tonband rückwärts“ (Martin) an. Hier habe ich die kälteste „hot shower“ der Reise genossen, Martin wollte sich gar nicht Duschen.

Nachdem wir unseren Milchtee ausgetrunken haben durfte ich eine Tasse Buttertee probieren. Ziemlich salziges Gesöff, dass sie in einem Rohr stampfend gebraut hat. Gingen noch zur Gompa hoch. Es war schon recht duster aber im Schein der Tikka haben wir uns die bunten Malereien angesehen. Vor dem Abendessen sahen wir beim Kochen am Holzofen zu. Als Vorspeise bekamen wir angebratene Kichererbsen serviert. Der Ofen war nicht sehr effektiv. Um unser Abendessen zuzubereiten ging ein ganzer Arm Holz drauf. Auch der Kamin funktionierte nicht wirklich, es qualmte brutal und die Luft in der Wohnküche wurde immer dicker. Schließlich waren die Fenster wegen der Kälte draußen geschlossen. Dann plötzlich: Licht aus, Türe zu, dicker Balken davor! Auch wir sollen uns verstecken. In der Dunkelheit stolperte ich über einen Stuhl. Draußen ging ein komischer Typ vorbei. Martin meint er hatte ein Gewehr umhängen. Die einzige Auskunft die wir erhielten war „bad man“.Es wurde immer mehr zur Räucherhöhle. Ich glaube heute werden wir satt. Als einzige Gäste werden wir bestimmt gefüttert bis wir platzen. Hoffentlich wirkt Martins Durchfallapotheke. Das Abendessen war richtig gut. Es gab natürlich Dal Bhat für uns und die Verwandschaft. Diesmal mit ziemlich scharfem Pickle. Um die dicke Luft dann endgültig schnittfest zu machen kam nach dem Essen eine riesen Pfanne Öl auf den Ofen. Der Chef hat Teig geknetet und gewalgt und dann Tibetan Bread in der Pfanne fritiert. Oma (?) hat geholfen und ein Knabe kam auch noch vorbei. Wir sollten das Gebäck natürlich auch probieren, es war hervorragend. Ich musste ein Teil noch pfannenheiß in die Hand nehmen und ließ es natürlich sofort fallen. Das Gelächter war groß - was bin ich nur für ein Weichei! Aber jeder kann das seine, am nächsten Morgen mussten wir unsere Rechnung selbst zusammenaddieren.

Als wir dann raus sind hustete ich mich erst mal aus. Unsere Kleidung hat fürchterlich gestunken. Nachts war es richtig kalt und bei Martin gings rund. Drei mal musste der arme Kerl raus!

3.4 8. Tag, Kreku

Beim Pinkeln um halb sieben sah ich den Sonnenaufgang am Annapurna II. So richtig schön rot - ich holte ganz schnell den Foto raus.

Kurz nach Bagarchap entdeckten wir an einer Brücke ca. 15 Geier, die gerade ein Tier im Flußbett zerlegten. Das Wasser war rot gefärbt. Wenn die Geier so rumhopsen sieht das aus wie im Dschungelbuch. Im Flug sind sie leider recht schwer zu fotografieren. Ein kleiner Bub rannte hin und scheuchte sie alle auf. Im nächsten Dorf hämmerte ein Schmied. Ein kleines Glutnest, ein Stein als Amboß und ein Hammer waren seine Ausrüstung. Die Frau hielt den glühenden Metallklumpen und er haute wie blöd drauf.

Dann ging der Weg in einem kleinen Seitental steil bergauf (alternativ hätte man hier wohl auch unten am Fluß gehen können, aber oben war es sehr schön). Der (Ur-)Wald hat mich ein bisschen an Herr der Ringe erinnert. Riesige Bäume, große Steine mit Wurzeln drüber und alles moosig. Als wir dann so einigermaßen fertig und oben waren kam der erste kleine Schneehaufen. Hinter uns der Manaslu im Dunst, direkt vor uns ein anderer großer Steinhaufen mit ewig viel Schnee darauf. Sieht so aus als könnten wir unsere Grödeln brauchen8. Wir haben unabsichtlich den oberen Weg gewählt, wurden aber mit einem herrlichen Ausblick entschädigt. In Thanchauk haben wir mittaggegessen. Der Apple-Pancake war allerdings noch ein bisschen teigig. Ich habe mal kurz die Sonnenbrille abgenommen aber gleich wieder aufgesetzt. Knapp unterhalb 3000 Metern ist die Sonne schon sehr grell. Das Dorf war schön, nirgends wurde gearbeitet, irgendwo hat einer Gitarre gespielt.

In Koto hat sich die Polizei herzlich wenig für unsere Permits interessiert. Kurz vor Chame empfing uns dafür die Armee mit Sandsackbarrieren. Wir mussten uns in zwei dicke, doofe Bücher eintragen. Da wird Datenmüll gesammelt, wie wenn ich meine Temporary Internet Files zehn Jahre lang speichern würde. Im Ort ist richtig was los, hier gibt es wohl alles. Trafen Dutchman und die Engländer, beschließen aber noch weiterzugehen, da laut YetiZone9 in einer halben Stunde das Kaff Kreku kommen soll. Das Hotel dort ist wohl nicht mehr so ganz in Betrieb. Das Schild ist kaum mehr lesbar, alles ziemlich heruntergekommen und wir waren die einzigen Gäste. Gegenüber ein vereister Wasserfall, entsprechend kalt war es auch. Wir wuschen uns am Dorfbrunnen das Gesicht und filterten Wasser. Zum Abendessen gab es Dal Bhat - was sonst?

Die Küche hier war viel kleiner und viel rauchiger als letzte Nacht. Die „Familie“ (Bruder, Schwester, Oma, Bub) war ganz eindeutig nicht sehr wohlhabend. Entsprechend war das Dal Bhat auch ein bisschen einfacher. Trotzdem gab es für jeden genug. Der Bruder konnte ein bisschen Englisch und wollte Martin seine Schwester verkaufen. Zudem sollten wir ihm einen Job in Deutschland besorgen. Wie erklärt man einem zahnluckerten Kiffer, der nach Fusel riecht, dass er in Deutschland keine Chance hat? Schwierig. Momentan arbeitete er als Träger. Dabei muss er lasten bis zu 75 Kilogramm über Stock und Stein kilometerweit tragen. Die Arbeitsbekleidung besteht dabei aus Flipflops!

Die Nacht war klar und eiskalt. Weil es im Zimmer nach Rauch aus der Küche gestunken hat ließen wir die Luke trotzdem offen. Der Sternenhimmel war faszinierend.

3.5 9. Tag, Pisang

Der arme Martin musste heute Nacht schon wieder drei mal auf das etwa 50 Meter entfernte Gruben-Klo. Zum Glück hatte er tagsüber keine Probleme. Es war saukalt. Frühstück mit Tibetan Bread das schon ein bisschen ranzig schmeckte. Heute ging es schon um 8 Uhr los. Der Weg war zum Teil fest gefroren. Das Tal wird ziemlich eng und viele Erdrutsche gefährden den Fortbestand des Weges. Durch Schneefelder ging es mal hoch, mal runter. An einer Stelle ist der Weg sehr großzügig in den Fels geschlagen - Handarbeit?

Hier begegneten uns praktisch keine Leute mehr. Unterwegs immerwieder fantastische Blicke auf einen der Annapurna-Gipfel, auf dem riesige Wechten und Eisfelder zu sehen sind. Dann ragte über uns eine große glatte Schneewand auf. Auf der Südseite war der Schnee schon abgetaut - dementsprechend eine glatte Felswand. Sieht so aus als wäre hier mal ein riesiger Gletscher am Werk gewesen.

Wir kamen schon mittags in Pisang auf 3200 Metern an. Hier gibt es zweistöckige Stein-Hotels. Ruhten uns gut aus. Duschen, Waschen, Mittagessen, Lesen. Die Sonne ist hier noch viel greller und heißer. Dafür wurde es sobald sie hinter dem Berg verschwand arschkalt. Im Hotel waren einige Wasserleitungen eingefroren. Nachmittags bin ich dann noch nach Upper Pisang hochgelaufen. Ein uriges Dorf, in dem überall Rinder und Ziegen rumflaggen. Zwischen den Häusern lagen Schneereste. Im Ort steht eine nagelneue, riesige Gebetsmühlenreihe und auch eine Gompa wurde gerade neu errichtet. Auf jedem Dach flatterten die Gebetsfähnchen. Mich erinnert das an den Gardasee - Lido Surfcenter. Nur steht hier nicht Fanatic auf den Fähnchen.

3.6 10. Tag, Manang

Nach unserer ersten Nacht über 3000 Meter wollte ich den Sonnenaufgang am Annapurna II fotografieren. Dazu bin ich um viertel nach sechs extra nochmal ein Stück nach Upper Pisang hochgelaufen. Leider haben mir ein paar Wolken einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir entschieden uns für den Höhenweg nach Manang. Vorbei an einem Wahnsinns-Lagerfeuer-Zeltplatz an einem glasklaren See geht der Weg bald sehr steil in Sepentinen bis auf 3750 Meter zum Ort Gyaru hinauf. Der Ausblick ist gigantisch, die Mühen haben sich absolut gelohnt. Die Dörfer hier oben sehen so aus als wären sie noch nicht vom Tourismus beeinflusst. Total verschlafen mit eng aneinander stehenden Steinhäusern. Martin machte ein Panorama von Manaslu bis Tilicho Peak.

Immer wieder blieben wir stehen und bestaunen die riesigen Berge. Immerhin sind deren eisbedeckte Gipfel nochmal 3 bis 4 Kilometer höher als unser momentaner Standpunkt. Das Tal mit Marsyandi River sah von oben saucool aus. Leicht bewaldet, hier und da Schnee und der Fluß in einem kleinen Canyon. In Ngwal machten wir dann Mittag mit Minztee und Suppe. Ein kleiner Rotzbub kletterte auf der Bank herum und war von meinen Wanderstöcken begeistert.

Durch eine riesen Schlammsauerei ging es dann zurück auf den normalen Weg nach Manang. Die Stadt haben wir uns ganz anders vorgestellt. Hier sieht es ein bisschen nach verlassener Western-Stadt aus. Es sind einfach momentan zu wenig Touristen hier. Im Himalayan Singi Hotel gab es unsere heißeste Dusche bisher. Wir trafen da einen ganzen Haufen Leute, darunter zwei Nürnberger Brüder (Wolfi und Michi) und ein schweizer Pärchen (Daniela und Markus). Die Schweizer sind schon seit neun Monaten auf Weltreise. Wir saßen noch eine Weile nach dem Essen rum. Unter die Tische werden hier Eimer mit der heißen Asche aus dem Ofen gestellt. Sonst würde man es nicht lange aushalten.

3.7 11. Tag, Ruhetag

Heute ist Ruhetag zur Aklimatisation10. Wir haben eine Wanderung durch Schneefelder bis auf 4000 Meter an der Annapurna-Flanke gemacht. Knapp unter 4000 Meter haben Laubbäume die Nadelbäume abgelöst. So richtig knorrige, dicke Riesen - momentan noch ohne Laub. Wir hatten Südtiroler Speck und frisches Brot aus Manang dabei. Zurück im Tal sehen wir mal wieder viele Geier, die in Kadavern rumpicken.

Im Hotel war eine Deutsche, die die Höhenkrankheit ganz übel erwischt hat. Sie wird wohl mit Träger wieder absteigen - selbst kann sie ihren Rucksack nicht mehr tragen. Gegen Abend hat dann das Wetter richtig zugezogen, die Wolken hingen dicht über dem Ort. Ab und zu schneite es ein bisschen. Da schon letzte Nacht die Wasserleitungen im Hotel gefroren sind füllen wir alle Gefäße mit gefiltertem Wasser auf, so dass wir morgen genügend haben. Wir hoffen natürlich auf besseres Wetter, da wir aber nach hinten genügend Zeit haben wäre ein weiterer Tag hier auch nicht so schlimm. Ins Annapurna Basecamp schaffen wir es sowieso nicht mehr. Das Geld sollte uns auch gut reichen, es gibt also keinen Grund zur Sorge. Beim Abendessen saßen wir mit den beiden Franken zusammen, die sind lustig drauf... (vermutlich hat ihnen die Höhe schon zugesetzt ;-)) Das Wetter ist richtig scheuslich aber als wir ins Bett gingen hat man schon wieder den Mond durch die Wolken gesehen.

3.8 12. Tag, Yak Katar

Am Morgen war das Wetter wieder super. Ich bin früh aufgestanden um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Einfach Wahnsinn. Kurz nach acht sind wir losgelaufen. Unterwegs haben wir die Schweizer und Franken eingeholt. Unweit des Weges habe ich dann das einzige echte Yak unserer Reise entdeckt. Zu dritt sind wir sind dem Zotteltier dann mit unseren Kameras auf den Pelz gerückt! Es hat sich aber durch uns nicht sonderlich stören lassen. Beim Laufen spürte man inzwischen ganz deutlich die Höhe. Es fiel schwer, sich während dem Laufen zu unterhalten, da geht einem ganz schnell die Puste aus. Nach ein paar schnellen Schritten muss man gleich Pause machen und durchatmen. Martin hatte ein bisschen Kopfweh und ich schlief nachts nicht sehr gut. Die extrem trockene Luft trocknete Nase und Rachen stark aus, so dass man auch nachts ständig trinken muss. Ohne Lippenstift wären wir glaube ich schon verblutet. Martins Durchfall ist wohl durchgestanden und meine Erkältung habe ich schon lange hinter mir. Wir waren schon mittags am Ziel angekommen, da wir ja nicht mehr als 500 Meter ansteigen wollten. In der Sonne haben wir dann mit den Schweizern Scrabble gespielt. Die sind überhaupt gut drauf. Sie erzählten viel interessantes von Ihrer Reise und wir erforschten die sprachlichen und kulturellen Unterschieder zwischen der Schweiz und Deutschland. A wirkli luschtigs Völchli! Als die SOnne aber um 3 Uhr hinter einem Berg unterging ist es schweinekalt geworden. In der Lodge haben wir uns dann in Pullis und Jacken gehüllt an den mit Kohle beheizten Tisch gesetzt. Handschuhe hatte ich zeitweise auch noch an! Ich musste so ein seltsames Kartenspiel mitspielen, natürlich habe ich mal wieder verloren. Das Dal Bhat hat uns wieder ein bisschen aufgewärmt.

In der Nacht hatte es 0oC im Zimmer und etwa -8oC draußen. Der Sternenhimmel war grandios.

3.9 13. Tag, Thorung Phedi

Wir haben ein bisschen länger geschlafen, da der Tag wieder kurz werden sollte. Am Weg trödelten wir ziemlich rum, kamen aber trotzdem schon gegen 12 Uhr in Thorung Phedi auf 4500 Meter an. Die Schweizer stellten fest, dass wir uns inzwischen über dem Matterhorn befinden. Und noch immer liegt kein Schnee - irgendwie komisch. Wir verratschten den ganzen Nachmittag und genossen die letzten Blicke auf das Annapurna-Massiv. Beim Scrabble habe ich schon wieder verloren. Morgen früh werden wir gegen 4 Uhr aufstehen. Der Thorung La-Pass steht bevor. Zuerst geht es 1000 Meter rauf und dann 1900 Meter wieder runter nach Muktinath.

Während dem Abendessen wären wir beinahe am Petroleum-Dunst von Kocher und Laterne erstickt. Wie wir später festgestellt haben schmeckte auch das Trinkwasser stark nach Petroleum11. Es wird anscheinend in ehemaligen Petroleum-Kanistern hier her getragen. Komischerweise haben wir uns ganz schnell den Ruf eingehandelt, die verfressensten Trekker zu sein, die der Annapurna je gesehen hat. Nur weil wir immer mindestens zwei Gänge orderten...

3.10 14. Tag, Thorung La, Muktinath

Wir sind um 3.45 Uhr aufgestanden und haben zwei Packungen Kekse und Pemmikan verdrückt (die „Küche“ hatte um diese Zeit noch geschlossen). Gegen 4.30 Uhr sind wir losgelaufen und haben mit unseren Stirnlampen den Weg gesucht. Ich habe mir ein Tuch vor den Mund gebunden, um die trockene, kalte Luft wenigstens ein bisschen angenehmer zu machen. Das hat mich ganz schnell in Atemnot gebracht und ich habe es wieder weggezogen. Die Luft war einfach zu dünn. Weit über uns sahen wir die Nürnberger, die wir am Thorung Phedi High Camp einholten. Unser Trinkwasser war inzwischen halb gefroren. Im High Camp habe ich mir noch ein zweites Paar Socken und die Gamaschen angezogen. Inzwischen war es sehr windig und hatte so um die -10oC. Kurz nachdem wir weiter sind hat die Dämmerung angefangen. Die Stimmung war gigantisch und als auf etwa 5000 Metern die Sonne aufging wurde es auch langsam wärmer. Wir kamen nur noch mit kleinen Schritten voran und die letzten paar hundert Meter zogen sich eine Ewigkeit. Es ging über kleine Hügel zum Teil auch wieder bergab und die Passhöhe kam erst ganz am Ende in Sicht. Immerhin konnten wir am GPS sehen, dass es eigentlich nicht mehr weit sein konnte. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie die auf den Everest kommen...

Es lag fast kein Schnee oder Eis, nur noch in manchen Senken hatte es kleine Schneefelder. Wir hatten also unsere Grödel umsonst mitgeschleppt. Um kurz nach 8 Uhr waren wir dann endlich oben, haben also nur 3.45 Stunden inclusive Photostopp und Batteriewechseln12 gebraucht.

Wir hatten den 5415 Meter hohen Thorung La-Pass dann fast eine ganze Stunde ganz für uns alleine. Haben natürlich viele Fotos gemacht. Die Aussicht in das Kali Gandaki-Tal ist überwältigend. Wegen dem starken Wind war es aber schon ziemlich ungemütlich. Mit der Zeit haben wir dann aber Kopfweh bekommen - entweder es lag an der Höhe oder am Petroleumwasser. Während dem Abstieg ist es schnell immer Wärmer geworden und wir konnten nach und nach ein paar Kleidungsstücke ausziehen.

Auf 4600 Meter haben wir dann länger pausiert. Hier haben uns die Schweizer eingeholt. Auch die waren nicht mehr ganz frisch. Martin hat hinter einen großen Stein gekotzt, ich hatte ziemlich Kopfschmerzen. Zu trinken hatten wir nichts mehr, das Petroleumwasser war so eklig, dass ich es weggeschüttet habe. Auf 4200 Meter kam dann endlich ein kleines Restaurant. Wir haben uns abgepacktes Mineralwasser und eine Suppe gekauft. Das tat richtig gut und das Kopfweh hat sich schnell verzogen. Hier haben uns dann auch die zwei Franken eingeholt. Michi hat die Höhenkrankheit übel erwischt, er konnte sich gerade noch auf den Beinen halten. Purna (der Guide der beiden) hat deshalb noch locker Michis Rucksack auf seinen eigenen draufgepackt.

In Muktinath waren wir der Meinung, wieder richtig tief unten zu sein. Aber mit 3800 Metern waren wir immer noch höher als die meisten Alpengipfel! Die Landschaft ist hier ganz anders als im Manang-Tal. Es erinnert eher an Wüste, zumindest jetzt im Frühjahr. Die Felsen und der Sand sind rötlich gefärbt. Im Kailash Guesthouse bekamen wir eines der besten Abendessen bisher.

3.11 15. Tag, Eklobathi

Sonnenaufgang am Dhaulagiri, mal wieder hat sich das frühe aufstehen gelohnt. Es war noch ziemlich kalt. In der Nacht sind auch hier alle Wasserleitungen eingefroren. Nach dem Frühstück gingen wir nochmal zu den Tempelanlagen von Muktinath zurück. Der Tempel gehört angeblich zu den heiligsten Stätten von Hindus und Buddhisten. Leider ist alles sehr runtergekommen, irgendwie seltsam und wirklich schade. In einer buddhistischen Gompa zündete ich wie versprochen eine Kerze an. Uns fror es beide und wir machten uns auf den Rückweg. Im Hotel spülten wir unseren Wasserfilter nochmal um den Petroleumgeschmack loszuwerden. Wir machten uns dann auf den Weg nach Kagbeni. Zuerst mussten wir uns aber mal wieder in so ein schwachsinniges Buch eintragen. Uns kam eine Horde Touristen entgegen. Einige besonders fette Typen saßen auf Pferden. Hinter uns sah man hoch zum Pass. Aus dieser Perspektive sieht das ganze recht mickrig aus, da der Anstieg relativ flach, dafür 2000 Meter hoch ist. Endlich sahen wir auch wieder grüne Felder. Wir kamen an einem kleinen See vorbei, der offensichtlich von bunten Bakterien gefärbt ist. Irgendwie gibt es hier scheins Schwefelquellen.

In Kagbeni (2800 Meter) hatten die Bäume schon grüne Triebe. Das Kali Gandaki-Tal ist beeindruckend. Ein kleiner Fluß in einem riesigen Kiesbett. Nördlich des Ortes kann man einen Blick in das Mustang-Tal werfen. Um es betreten zu dürfen benötigt man ein spezielles, teures Permit. Die Kali Gandaki-Schlucht wir weiter unten zu einer der tiefsten der Welt. Die Flanken von Dhaulagiri und Nilgiri fallen von über 8100 bzw. 7000 Metern auf unter 2000 Meter ab. Beim Mittagessen trafen wir wieder auf die Schweizer, die jeden Tag vor uns loskamen. Zusammen gingen wir noch ein Stück weiter bis nach Eklobathi. Das ganze Gebiet erinnerte mich irgendwie an das Tote Meer, nur dass die hier statt Salzlache Kies haben. Jeden Mittag geht im Tal der Sturm los. Er bließ uns entgegen und den Sand in die Augen.

Das Abendessen im Hotel war lustig. Die Schweizer und wir haben auf zwei Zetteln getrennt bestellt. Zuerst kam nur das vom ersten Zettel. Später kam dann ein junger Kerl, der recht gut Englisch konnte. Den haben wir gefragt, wo denn der Rest bleibe. Er klärte das Mißverständnis in der Küche und brachte kurz darauf auch unsere Bestellung - dummerweise nur in einfacher Ausführung! Zum Nachtisch haben wir dann noch vier Applepies bestellt - zunächst mal hat es immerhin einer an unseren Tisch geschafft! Die anderen kamen auf Nachfrage später. (Man muss dazu sagen, dass wir die einzigen Gäste waren.)

3.12 16. Tag, Tukuche

Wir gingen früh los, um dem Wind zu entkommen. Das Flußbett ist riesig. Uns kamen ein paar Träger mit Ölöfen und Wasserbeulern auf dem Rücken entgegen. Scheint abartig schwer zu sein. In Jomsom wollten wir ein Frühstück kaufen, irrten aber zuerst blöde in der „Großstadt“ umher. Wir haben dann einen Lehrer vor der Schule gefragt. Der hat uns zum Flughafenviertel geschickt, dort sind die Touristenläden. Das Gebäck, das wir kauften war aber vermutlich schon einige Tage alt. Das Tal ist hier nicht so schön. Es liegt - wie sollte es anders sein - viel Müll herum und stinkiges Wasser läuft über den Weg. Zudem gibt es einen breiten Feldweg, auf dem ein paar wenige Bulldogs fahren.

Der Ort Marpha ist dagegen sehr schön. Alle Häuser sind weiß angemalt, es gibt einen Kanal unter der gepflasterten „Hauptstraße“. Wir aßen in einem Rooftop-Restaurant. Nachdem wir die Gompa angeschaut haben sind wir weiter nach Tukuche gegangen. Hier ist das Tal wieder viel schöner. Es gibt sehr viele Apfelbaumplantagen. Leider blühten die Bäume noch nicht. Das „Great Plains Inn - Dutch Hotel“ hat uns mit seiner „STD/ISTD, Internet“-Werbung geködert. In dieser Luxusherberge trafen wir wieder auf die Franken. Martin hat nach Hause telefoniert - Internet gab es aber keines. Der Lodgebesitzer ist ein Holländer. Zum Abendessen gab es endlich mal wieder ein bisschen Fleisch (Nasi Goreng mit Huhn und Erdnusbutter). Als Nachspeise dann ein ausgezeichneter Apfelkuchen. Nachmittags waren wir noch in der örtlichen Schnapsbrennerei und Martin hat für sage und schreibe 60 Rs. einen viertel Liter Apricot Brandy erstanden. Unglaublich! Vom Karottenschnaps war er nicht so angetan.

3.13 17. Tag, Ghasa

Heute sind wir direkt mal nicht als letzte losgekommen. Um 8 Uhr sind wir vor den Franken aufgebrochen. Der Weg verlief weiter im Flußbett. Bis Kalopani haben wir ständig gerätselt, ob denn der Annapurna I, den wir bisher noch nicht gesehen haben, jetzt schon sichtbar ist oder nicht. In Kalopani ist er dann endlich aufgetaucht, leider war es hier wieder sehr dunstig. Wir kamen dem Flachland wieder näher und die Wolken zogen das Tal hoch. Von hier aus sah man auch sehr schön die Kette Dhaulagiri (mit Dhaulagiri Icefall) - Tukuche Peak - Dhampus Peak. Über uns war den ganzen Vormittag lang reger Flugverkehr zum Flughafen von Jomsom. Nach dem Mittagessen in Kalopani (natürlich haben wir hier die Schweizer getroffen!) gingen wir weiter bis nach Ghasa. Ab Kalopani wird das breite Tal zur Schlucht. Es gibt nur noch einen zum Teil steilen Fußweg.

Uns kamen viele Mulikarawanen entgegen. Wir hatten auch den Eindruck, dass die Menschen hier nicht so freundlich wie im Manang-Tal sind. Am gegenüberliegenden Steilhang konnten wir einen Erdrutsch beobachten. Der Wind wehte eine riesige Staubfahne vom Steilhang aus in den Himmel hinauf. Den Staub konnten wir schon gestern über den Bergen sehen, nur wussten wir nicht, dass das alles Sand ist. In Ghasa haben wir wieder zusammen mit den Schweizern und den Franken übernachtet. Purna, der Guide der Franken sorgte immer für unser Wohl wenn wir zusammen waren (ab und zu konnte er auch die Vorgänge in der Küche deutlich beschleunigen). Hier konnten wir uns auch mal dazu durchringen, unsere inzwischen eklig staubigen Hosen zu waschen.

Es ist unglaublich, wie hart hier manche Leute arbeiten müssen. Uns begegneten alte Frauen, die auf einem sehr schlechten Wegabschitt barfuß eine Riesenladung Bürostühle transportierten. Dann trafen wir Mädchen, die einen Korb voller Steine schleppten. Während dem Mittagessen konnten wir einer älteren Frau zusehen, wie sie die herangeschleppten Steine mit einem Hammer zu Kies zertrümmerte.

3.14 18. Tag, Tatopani

Wieder sind wir als letzte los. Endlose Mulikarawanen kamen uns entgegen. Auf einer der vielen Hängebrücken mussten wir uns an den Mulis vorbeiquetschen. Die blöden Viecher haben absolut kein Bewusstsein, wie breit sie sind. Der Weg war sehr staubig, das meiste davon ist wohl zertrampelte Mulischeiße. Der Wind blies uns das alles ins Gesicht! Heute ging es nochmal 1000 Meter nach unten. Es wurde immer wärmer. Bambus und Palmen wachsen wieder am Wegrand. Auch zahlreiche Mandarinenbäume stehen herum. Wir waren nur noch auf 1400 Metern Höhe. Unterwegs trafen wir natürlich wieder auf Schweizer und Franken. Die beiden Nürnberger sangen schon seit Tagen ständig „Ein Student aus Upsala...“. Bleibende Schäden der Höhenluft? Wir kamen an zwei ganz netten Wasserfällen vorbei. Aber nach unserer letztjährigen Islandreise rissen uns die auch nicht mehr vom Hocker. Dort sahen wir Wasserfälle in allen Variationen bis sie uns zum Hals heraushingen! Das Tal wurde hier zur richtigen Schlucht - eben zur tiefsten der Welt. Man kann aber von unten nicht die Gipfel sehen. Das ganze hört sich beeindruckender an als es ist.

In Tatopani waren wir in einem schönen Hotel. Im Garten standen Orangen- und Mandarinenbäume zum selbstpflücken. Nach dem Nachmittagsessen gingen wir zu den heißen Quellen und entspannten ein bisschen. Wir sind da richtig ins Schwitzen gekommen.

Nach dem Abendessen wurden wir aufgefordert, unsere Wäsche mit ins Zimmer zu nehmen. Scheinbar kommt hier ab und zu mal was abhanden.

3.15 19. Tag, Chitre

Gleich zu Beginn verließen wir die Kali Gandaki-Schlucht in Richtung Ghorapani. Es war bedeckt, später kam aber die Sonne raus und heizte mächtig ein. Über viele Stufen ging es endlich wieder mal bergauf. Am Wegrand blühen riesige Rhododendrenbäume. Der ganze Hang ist bewirtschaftet, immerwieder macht sich ein Erdrutsch zwischen den Feldern breit. Es war Samstag und nochdazu Feiertag. Die Kinder hatten alle rote Hände und Gesichter. In einem Dorf war ein Volleyballturnier. In Chitre hatten wir genug und hörten etwa eine Stunde vor Ghorapani auf. (Anscheinend hatten wir eine Vorahnung, dass die Sicht von Poon Hill zurück zu den Bergen morgen schlecht sein wird.)

3.16 20. Tag, Ghorapani

Der Himmel ist trüb und Dhaulagiri und Annapurna waren in Wolken gehüllt. Nach etwa einer Stunde kamen wir in Ghorapani an. Hier auf über 2800 Metern war es wieder ziemlich kalt und zugig. Wir haben uns also mit den Schweizern in eine Lodge gesetzt, Apfelkuchen bestellt und Scrabble gespielt. Der Apfelkuchen wurde frisch gemacht. Markus und Martin haben zusammen eine Kanne Mustang-Coffee (Kaffee mit kräftigem Schuss) getrunken - um 11 Uhr Vormittag. Im Scrabble habe ich endlich mal gewonnen.

Wir haben dann die Lodge gewechselt um nochmal mit den Franken zusammen zu sein. Nachmittags sind wir aber wieder in die vorherige Lodge zum Essen gegangen. Martin hat ein Nickerchen gemacht - zu viel Schnaps? Gegen 17 Uhr bin ich mit Markus dann auf Poon Hill (3200 Meter) hochgelaufen. Außer Nebel haben wir nichts gesehen und am Runterweg hat es auch noch gegraupelt. Im Hotel machen Streik-Gerüchte die Runde.

Martin hat es schon wieder erwischt. Der Durchfall hat ihm den Appetit verdorben und ich musste zwei Megaportionen Abendessen, das wir schon nachmittags bestellt haben verdrücken. Michi hat mir zum Glück ein bisschen geholfen. Für Martin habe ich Butterkekse gekauft aber dann festgestellt, dass die schon ein Jahr lang abgelaufen waren. Es war immer noch bewölkt und der Wind zog mit Geheul durch alle Ritzen ins Zimmer.

3.17 21. Tag, Poon Hill, Tirkhedhunga

Um kurz vor halb sechs weckten mich die vielen Touristen, die vor dem Fenster vorbeitrampelten. Ein Blick aus dem Fenster entlockte mir ein „Hammergeil!“. In der Nacht hat es aufgeklart und man sah die Annapurnas und den Dhaulagiri in der Dämmerung. Schnell haben wir uns angezogen und es ging mal wieder mit Stirnlampen los auf den Aussichtsgipfel Poon Hill. Die Stufen und Steine nach oben waren gefroren. Die Foto-Stativ-Bänke oben tragen Reif. Wir waren über den Wolken, die unter uns über den Ghorapani-Pass zogen. Als die Sonne dann um halb sieben langsam die Berge erröten ließ kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Am besten sieht von hier aus der Dhaulagiri aus, da er direkt von der Sonne beleuchtet wird. Die Gipfel des Annapurna-Massives werden nur seitlich bestrahlt, der Machhapuchhare gar nur von hinten. Die Berggipfel liegen nur etwa 20 bis 30 Kilometer von Poon Hill entfernt.

Daniela hat es über die Nacht noch übler als Martin erwischt. Jetzt sind es schon zwei „Kranke“. Wir tippten nun auf den Apfelkuchen und dessen Vanillesauce von gestern Vormittag. Da es hier in der Gegend Überfälle auf Touristen geben soll gingen wir heute zusammen mit den Schweizern los. Der Wald, der fast ausschließlich aus Rhododendren besteht sieht wieder mal wie Urwald aus. Leider blühen Anfang März nur wenige Bäume. Am Wegrand entdeckten wir ein paar wilde „Pleione humilis“-Orchideen. In Ulleri aßen wir Suppe. Mir war inzwischen auch nicht mehr ganz wohl. Danach ging es über 500 Höhenmeter und 3000 Stufen bergab nach Tirkedhunga. Hier auf 1500 Metern war es wieder deutlich wärmer. Wir trafen mal wieder die Franken.

Jetzt bin auch ich mit Durchfall dran! Ich war am Abend plötzlich ziemlich fertig und hab bloß ein Chiapati im Bett gegessen. Wir beschlossen jetzt, dass es wohl das Müsli in Chitre gewesen sein muss. Das haben nur Daniela, Martin und ich gegessen und Markus ging es weiterhin gut.

Wegen den Streikgerüchten hatten wir uns überlegt, statt von Naya Pul aus mit dem Bus nach Pokhara zu fahren diesen Abschnitt über Sarangarkot zu laufen. Von Sarangarkot aus hätten wir nochmal die Annapurna-Gruppe aus einer anderen Perspektive sehen können. Diesen Plan haben wir jetzt aber fallen lassen.

3.18 22. Tag, Pokhara

Mir war am Morgen immer noch schlecht. Ich aß nur einen Pfannkuchen. Während unserem Frühstück hat jemand direkt neben dem Speisesaal eine riesige Stichflamme entfacht. Ein bisschen Sprit über Bambusabfälle geht ganz ordentlich ab. Die Bambusteile verbrannten mit unglaublich lautem geprassel. Der Weg geht noch etwa zweieinhalb Stunden das Tal entlang vorbei an Birethanti bis Naya Pul. In Birethanti haben wir wiedermal die Franken und auch Ralf (den haben wir in Muktinath kennen gelernt) eingeholt. Glücklicherweise kannten Ralf und Purna den Weg in Naya Pul zur „Bushaltestelle“ (kurz nach der Hängebrücke steil einen Trampelfpad zur Straße hoch). Wie bestellt stand da auch ein Bus, der in 5 Minuten um ca. 11 Uhr abfährt!

Der Kassierer wollte uns zuerst mal kräftig bescheißen und verlangte 150 Rs. pro Person. Wir waren ein bisschen mißtrauisch - kommt man doch für 170 Rs. von Kathmandu bis Pokhara und die jetzige Fahrt sollte nur etwa zwei Stunden dauern. Nach Rücksprache mit Purna mussten wir nur noch 50 Rs. bezahlen. Der Bus quälte sich mit 20 km/h den Berg hinauf obwohl die Straße nicht wirklich steil ist. Ein Huhn kotzte seiner Begleitperson auf den Schoß. Mit der Zeit wurde der Bus immer voller. Da ich auf einem Sitz saß, der eigentlich für zwei Fahrgäste gedacht ist wurde ich mehrmals vom doofen Kassierer aufgefordert Platz zu machen - nur wie wenn ich eingekeilt mit Knie und Hintern an allen Ecken des Sitzes anstoße? Der Sitz war nicht mal so breit wie er nach meiner Vorstellung lang sein sollte! Die Nepali wollten nicht begreifen, dass Europäer einfach ein klitzekleines bisschen größer als sie sind. Eine Oma hat es dennoch probiert sich neben mich zu setzen - aber irgendwie muss das ziemlich unbequem für sie gewesen sein. Nach zwei Stunden und vielleicht 30 Kilometer sind wir dann endlich in Pokhara angekommen. Zu sechst quetschten wir uns ins Taxi, ein 35 Jahre alter Toyota Corolla. Fahrer, „Maschinist“, vier Touristen und vier Trekkingrucksäcke. Das Auto hatte einen massiven Getriebeschaden und kam kaum vom Fleck. Es ratterte ohne Ende und der Maschinist stemmte sich mit aller Gewalt auf den Schalthebel. Der Fahrer fand das vereinbarte Hotel nicht und fuhr die ganze Lakeside von der falschen Richtung her ab. Für seine Dummheit verlangte er dann auch noch einen Aufpreis aber wir blieben hart...

Wir gingen mit den Schweizern in ein Hotel (Majesty Home). Die waren schon vorher dort und haben eine Menge Gepäck hier gelagert. nach dem Mittagessen sind wir gleich ins Internet und haben uns mal wieder zu Hause gemeldet. Auch unsere schmutzige Kleidung haben wir gewaschen. Beim Abendessen war ich todmüde und hab bloß ein Chiapati gegessen (Das Immodium zeigte Wirkung und ich fühlte mich wie kurz vor dem Platzen).

Kapitel 4
Pokhara

4.1 23. Tag

Ich bin wieder früh aufgestanden und hatte das Glück, den Sonnenaufgang über Annapurna, Machhapuchhare und Lamjung Himal von Pokhara aus zu sehen. Ganz in der Ferne konnte man auch den Dhaulagiri erkennen. Es ist überwältigend, durch Palmen hindurch diese 8000er zu sehen. Die Alpen bei Föhn sind ein Dreck dagegen...

nach dem Frühstück sind wir ins Internetcafé und haben Martins Digital-Bilder angeschaut. Markus hatte einen CF-Reader und einen XD-CF Adapter dabei. Aber als wir den Reader in den Front-USB eingesteckt haben fing er gleich an zu stinken. Der Chef hat ihn dann in den USB hinten am PC eingesteckt aber das half auch nichts mehr. Die grüne LED leuchtete Orange und Rauch stieg auf. Innen war alles verschmort und die SMD-Teile sind von der Platine gefallen. Am Rückweg bestellten wir uns noch 2 Buddha-Eye T-Shirts.

Pokhara ist ganz anders als wir uns das vorgestellt haben. Lakeside ist eine lange Straße mit links und rechts Läden, Restaurants und Hotels. Keine Uferpromenade... Die eigentliche Stadt liegt dahinter (und sieht sehr staubig aus). Bei Ganesh, unserem netten Hotelier besorgten wir uns die Bustickets nach Kathmandu13. Wegen meinem Immodium-Völlegefühl schaffte ich beim Abendessen leider nur eine halbe Portion, obwohl es wahnsinnig gut schmeckte.

4.2 24. Tag

Nachdem es Nachts geregnet hat hoffte ich auf besonders klares Sonnenaufgangswetter. Aber die Regenwolken haben sich noch nicht verzogen und man sah überhaupt nichts. Habe nichts gefrühstückt. Später am Vormittag ging dann endlich wieder was (I believe I can fly...). Wir trafen die Höhenkranke aus Manang. Die ist zurück nach Pokhara abgestiegen, von dort nach Jomsom geflogen und über Muktinath zurück nach Pokhara gelaufen. Bis auf den Pass hat sie also alles gesehen. (Das komische ist, dass sie schon in Peru unterwegs war und das ist ja mindestens genauso hoch wie Manang.)

Nachdem es mir jetzt wieder besser ging beschlossen wir ein bisschen zu Wandern. Recht schnell verirrten wir uns aber in die „Fishtail Lodge“, ein Nobelhotel, in dem die Nacht 70 US $ kostet! Wir bezahlten etwa 4 fürs Zimmer. Von dort aus ging es nicht mehr weiter. Wir kehrten um und mieteten für eine Stunde ein blödes Ruderboot. Dabei haben wir uns ziemlich saudumm angestellt oder es lag am Boot, dass wir nie geradeaus gefahren sind. Den Yukon würden wir so nicht überleben! Nachmittags haben wir dann unsere T-Shirts abgeholt und ein Poster erstanden. Abends treffen wir uns mit den Franken, die einem hier auch schon wieder dauernd über den Weg laufen ;-) zum Essen. Der Hotelchef meinte gerade, dass vielleicht morgen Streik sei. Vielleicht aber auch nicht, keiner weiß was genaues... Genau deshalb sollte man für die Rückreise nach Kathmandu einen Reservetag einplanen.

Kapitel 5
Kathmandu

5.1 25. Tag, Kathmandu

Wieder kein Sonnenaufgang, dafür auch kein Streik. Ganesh begleitete uns auf dem Weg zur Tourist Busstation. Der Minibus fuhr nicht, wir wurden auf die größere Variante „umgebucht“. Das Gepäck kam in die Heckklappe - sieht sicherer aus als auf dem Dach. Aus dem Bus heraus sahen wir, wie ein Nepali, der offensichtlich ein Gepäckstück entwenden wollte von allen anderen zur Rede gestellt wird. Er wurde ziemlich zur Sau gemacht und kassiert ein paar Watschen. Am Ende ging noch ein anderer zu Boden und die Polizei löste das ganze dann auf. Die Busfahrt verlief völlig unspektakulär und dauerte „nur“ sieben Stunden. In der Nähe von Durbar-Square mußten wir in Kathmandu aussteigen. Alles ist voller nerviger Taxifahrer und Idioten, die zwei Touristen und zwei fette Rucksäcke in ihre Rikschas packen wollen. Tigerbalm benötigten wir auch keines. Nach ein paar bangen Minuten, ob denn auch Martins Rucksack im Bus ist half uns das GPS aus dem Gewühl und zeigte den Weg nach Thamel. Nur ein Kilometer - wir liefen.

Hier gab es noch mehr Idioten: Hotel, Trekking, Taxi, Guide, Tigerbalm, Hasch, Rikscha - die ganze Palette wurde uns angeboten. Mann war’s in Pokhara gemütlich! Zuerst mal sind wir in unser altes Hotel gegangen aber der ließ nicht mit sich handeln. Prüften ein Zimmer aber entschieden uns dann doch, das Hotel Karma zu suchen. Ganesh hat es uns empfohlen. Hier sah es so aus als hätte man uns schon erwartet. Wir bekamen ein nettes Zimmer mit warmem Wasser und Dachterasse im 5. Stock. Nochdazu sah es hier relativ ruhig aus. Zuerst mal haben wir uns in der Bakery Kuchen geholt, dann sind wir zum Japaner. Hier kann man sich das leisten! Ewig viele Schälchen und abartiges Rindfleisch - das ganze für sechs Euro zu zweit.

5.2 26. Tag

Wir standen zu früh auf - in der Bäkerei gab es noch nichts frisches. Im „Barnes & Noble Kathmandu“ (ich glaube nicht dass der echt ist...) haben wir uns Bücher für den Rückflug gekauft. Mit dem Taxi sind wir anschließend nach Patan gefahren. Das war super - fast keine Touristen, keine Guides, kein Tigerbalm. Die Tempel sind so das übliche, vor einem wurde wohl gerade eine Ziege geopfert (wir kamen aber leider zu spät, lag nur noch der Kopf da). Leider gab es hier auch auffällig viele streunende Hunde, von denen keiner gesund aussah. Dreibeinig bis fellos, lauter arme Hunde.

Am Rückweg aßen wir in der Freak-Street Momos. Nachdem ich am Durbar-Square im Ticketoffice versicherte, dass wir schon vor vier Wochen bezahlt haben (haben wir wirklich!) und jetzt nur quer durch laufen wollen lässt der nette Mensch uns durch. Auf den Straßen war nicht so viel los, es war ja Samstag. Insgesamt hatten wir aber schon den Eindruck, als wären inzwischen wesentlich mehr Touristen da. Nach einem weiteren Stück Kuchen haben wir uns uns erschöpft ins Hotelbett geflaggt.

Auf der Straße haben wir den Holländer getroffen - der hat anscheinend auch ewig Urlaub, da er in Kürze ins Everest-Basecamp aufbrechen wird. Überhaupt trifft man hier viele Dauerurlauber. Im original TNF-Shop hat Martin dann noch eine günstige Hose erstanden. Das was ich wollte gab es nicht mehr in meiner Größe.

5.3 27. Tag, Rückflug

Mit dem Taxi machten wir uns auf nach Swayambunath. Martin war ja noch nicht hier. Das Wetter war schon seit wir in Kathmandu waren nicht so toll. Man sah dann auch vor lauter Dunst nicht in die Stadt hinunter. Auf dem Berg oben waren wir aber fast über dem Dunst, so dass die Sonne manchmal durchspitzeln konnte. Die Stupa ist tatsächlich zwei Besuche wert. Martin knipste seine Speicherkarte voll und ich brachte den achten und letzten Film durch. Am Rückweg kamen wir bei ein paar Metzgern vorbei. Schafsköpfe usw. lagen im Staub der Straße.

Den Nachmittag haben wir mit Lesen, Rucksackpacken und japanisch Essen verbracht, bevor wir dann um 17 Uhr ein Taxi zum Flughafen genommen haben. Die Fahrt dauerte etwa 25 Minuten für sechs Kilometer. Nachdem wir die Flughafengebühr (1100 Rs.) entrichteten konnten wir dann unser Gepäck aufgeben. Hier muss man selbst bei der Ausreise einen blöden Zettel ausfüllen. Schön langsam nervt mich das ganze tierisch! Ständig die Paßnummer und den ganzen Kram in Bücher und auf Zettel schreiben. Wiedereinmal schmuggelte ich meine Filme an den Röntgengeräten vorbei durch die laxe Sicherheitskontrolle. In einer großen Wartehalle quäkte das indische MTV-Pendant vor sich hin. Schrecklich! Sogar einen kleinen Laden gibt es hier. Der hat allerdings astonomische Preise. Anzeigetafeln gibt es keine und als dann plötzlich viele Leute aufsprangen und sich am Ausgang anstellten schlossen wir uns an. Fragen ein paar Leute, ob das jetzt der Flug nach Qatar sei (es ging noch einer nach Delhi). Keiner wusste es, irgendwann kam dann aber einer, der sich ganz sicher war. Unmittelbar vor dem Flugzeug gab es dann noch mal eine lächerliche Sicherheitskontrolle. Alle wurden ein zweites mal abgefühlt - könnte ja sein, dass man aus seinem kontrollierten Handgepäck heraus sich eine Schusswaffe in die Hosentasche steckt!

Ich dachte ja immer, die Klimaanlagen in Flugzeugen wären sehr leistungsfähig. Dem ist nicht so und wir mussten feststellen, dass es in einem Flugzeug voller Nepalis doch ganz schnell abartig müffelt. Auch das Prinzip einer Toilettenspülung scheint sich noch nicht bis zu unseren Mitreisenden durchgesprochen zu haben. Viele der Nepalis fliegen wohl in die Golfstaaten um dort zu arbeiten.

In Qatar angekommen ging ich mal auf gut Glück zum Infoschalter, um dort ganz dumm nach einer Übernachtungsgelegenheit zu fragen. Noch bevor ich was sagen kann werde ich gefragt wohin wir denn weiterfliegen wollen. „Munich“ - „OK, I’ll get accomodation for you. Please take a seat over there“ WOW! Wir bekamen ein Visum und einen Hotelgutschein mit breakfast, lunch, dinner und refreshments for free. Nur das mit dem Bus, der uns in das Hotel bringen sollte hat nicht so geklappt. Nachdem wir eine Weile vor dem Flughafen gewartet haben hat eine Engländerin die Service-Hotline, die auf unserem Gutschein stand angerufen. Eine andere Engländerin hat sich derweil irrsinnig aufgeführt. Zuerst dachte ich, die wird halt geschäftlich unterwegs sein und möchte morgen gut ausgeschlafen zu Hause ankommen. Später stellte sich heraus, dass sie gerade drei Monate in Indien und Nepal Urlaub gemacht hat. Da hätte sie eigentlich lernen müssen, geduldig zu sein. Nach weiteren 25 Minuten kam dann auch schon der Bus zum Gulf Horizon Hotel. Der Fahrer fuhr wie eine gesengte Sau - Sprit sparen müssen sie hier in Qatar wohl nicht!

Als wir im Hotel ankamen war es schon Mitternacht. Um halb eins bekamen wir dann unser Chop Suey im Restaurant serviert. Aus der Dusche kam nur warmes Wasser, wenn man sie auf die ansich kalte Leitung eingestellt hat (echt! Das war dieselbe Leitung, wie die, die in den Spülkasten ging. Wir spülen unsere Toiletten zu Hause ja auch mit warmem Wasser!)

5.4 28. Tag

Um halb fünf Uhr weckten uns Presslufthammer und Radlader von der Baustelle nebenan. Trotzdem haben wir es bis um halb neun im Bett ausgehalten. Das Frühstücksbuffet war so naja (wir wahren ein bisschen zu spät dran). Was wäre ein Urlaub ohne Meer? Bei 30oC sind wir vorbei an Golfrasen noch ein bisschen am befestigten Ufer am Meer entlanggelaufen. In die andere Richtung hätten wir wohl auch einen Blick in ein paar Einkaufszentren werfen können, aber da war es schon zu spät. Um 11 Uhr hat uns der Bus wieder zum Flughafen gebracht.

An der Kontrolle konnte Johnny Kontrolletti nichts mit der Nummer in Martins vorläufigem Reisepaß anfangen. Irgendwann durfte er aber dann doch passieren. Am Gate hieß es, ich hätte schon um 6.30 Uhr eingecheckt! Lustige Sache. Ich musste warten, bis alle anderen Passagiere durch waren und bekam erst dann meinen Boarding Pass zurück - „I apologise for our computer problem“.

Vom Flugzeug aus sahen wir viele schneebedeckte Berge in der Türkei. Auch ganz Österreich war verschneit. In München holte uns Taxi-Axi ab. Nach vier Wochen Urlaub hat uns die „Luxuswelt“ wieder...

Notes

1Ich denke, diese Jahreszeit ist ein guter Kompromiss. Es waren sehr wenig Touristen unterwegs. Das Wetter war bei uns durchweg gut. Im Herbst soll allerdings die Sicht von Pokhara aus wesentlich klarer sein. Am Thorung La-Pass hatten wir keinen Schnee, das kann aber zu dieser Jahreszeit wohl schon vorkommen.

2Die Streiks werden von den Maoisten ausgerufen. Die Maoisten sind Rebellen, die für ein kommunistisches Regime in Nepal kämpfen. Sehr große Landesteile sind unter ihrer Kontrolle, die Regierungstruppen haben dort nichts mehr zu sagen. Seit 1996 führt die ehemalige Partei den bewaffneten Befreiungskampf gegen Regierungstruppen, der mittlerweile etwa 8000 Menschenleben auf beiden Seiten gekostet hat. Ein Waffenstillstand ist im Sommer 2003 gescheitert. Laut eigener Auskunft haben die Maoisten nichts gegen Touristen. Wenn man ihnen begegnet muss man aber ca 1000 Rs. Wegezoll (Amerikaner das doppelte) bezahlen. Dafür bekommt man sogar einen Beleg. Von den häufigen Streiks ist man aber auch als Tourist betroffen. Es fahren praktisch keine Busse, nur wenige Taxis. Und wann Streik ist weiß keiner. Ich habe mit einem Nepali gesprochen, der meinte, dass die Maoisten einen relativ guten Rückhalt in der Bevölkerung hätten, da sie als das geringere Übel gegenüber der momentanen Regierung eingeschätzt werden. Zweifelhaft... Weitere Informationen gibt es zum Beispiel unter http://www.nepal-dia.de/Aktuelle_Lage_/aktuelle_lage_.html.

3Unser Flug ging mit Qatar Airways von München über Doha, Qatar nach Kathmandu. Beim Rückflug bekamen wir ein Hotel zur Übernachtung inclusive Essen, die 14 Stunden waren also nicht so schlimm wie befürchtet.

4Wir benötigten zu zweit zwischen 8 und 18 pro Tag für Verpflegung und Unterkunft. Und dabei haben wir nicht gespart!

5Annapurna Conservation Area Project. Eine staatliche Organisation, die sich um die Entwicklung im Annapurna-Gebiet bemüht. Von der Permit-Gebühr werden angeblich Brücken, Schulen, Wasserkraftwerke usw. gebaut. Außerdem sollen die Bewohner zum schonenden Umgang mit dem knappen Feuerholz erzogen werden (Einsatz von Petroleumkochern). Das klappt aber anscheinend noch nicht so ganz...

6Rs. = Rupien. Zur Zeit gilt etwa 90 Rs. ~
= 1

7Praktisch täglich muss man sich mindestens einmal in ein großes, dickes Buch eintragen. Entweder bei ACAP, Polizei oder dem Militär. Angeblich dient das der Sicherheit. Wenn dem Touristen etwas zustoßen sollte, weiß man so wenigstens, wo er als letztes war. Aber der Zustand, die Ordnung in den Büchern und das Engagement der zuständigen „Beamten“ machen sie eher zur Farce.

8Wir haben die Grödeln (leichte Steigeisen) nie ausgepackt!

9http://www.yetizone.com

10Als Faustregel gilt allgemein, bei Anstiegen auf über 3000 Meter nicht mehr als 500 Meter von Nacht zu Nacht zurückzulegen. Sonst läuft man Gefahr, die Höhenkrankheit zu bekommen. Tagsüber kann man natürlich höher hinauf und dann später wieder absteigen. Wir haben uns daran gehalten und hatten relativ wenig Probleme. Andere sind ohne Ruhetag 1000 Meter am Tag gegangen und haben es offensichtlich auch geschafft. Aber wir hatten ja Zeit und wollten nichts riskieren. Wäre zu blöd, wenn man wegen unnötiger Eile umkehren muss. Weitere Informationen zum Beispiel unter http://www.bexmed.de/ Information/index.html

11Wenn man viel Brausepulver reinhaut schmeckt man es nicht so. Gesund wird es aber davon nicht. Dummerweise haben wir das Wasser auch noch gefiltert. Wir mussten den Filter mit sehr viel frischem Wasser spülen um den Geschmack zu beseitigen

12Bei der Kälte haben die Batterien schlapp gemacht. Natürlich ausgerechnet als ich die rot erleuchteten Wolken fotografieren wollte. Man kann die CR123-Fotobatterien übrigens in Manang kaufen.

13Er hat keine Provision verlangt. Wir sind mit dem Swiss-Travels Tourist-Bus für 250 Rs. nach Kathmandu gefahren. Die Fahrt war langweilig, der Bus hat nur zwei mal angehalten. Man sollte mindestens einmal mit dem normalen Bus fahren um Nepal zu erleben!

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February 16, 2006
Michael Steger
Michael in Canada